CHRONIK
90 Jahre„Liederkranz“ Gammelsbach
20 Jahre gemischter Chor im „Liederkranz“
1912 bis 2002
 
Verfasser: Wilhelm Schwinn
 
Musik ist nicht nur von zeitloser Gültigkeit, sondern auch eine Welt-sprache, die keiner Übersetzung bedarf und von Seele zu Seele spricht.
Es gibt nicht viele Vereine, die das Leben so bereichern wie die Gesangs-ereine. De menschliche Stimme ist und bleibt das vielseitigste Instrument, das vor allem mit anderen zusammen in der Vielstimmigkeit seine volle Klangfülle entfalten kann. enn der Gesang bewirkt Gleichklang und Harmonie, die im Leben manches erleichtert.
 
Musik ist Leben, Musik verschafft Begeisterung
und Selbstverwirklichung.
 
Menschen, die singen und musizieren, spüren eine besondere verbindende Gemeinschaft miteinander. Vermitteln menschliche Zuwendung und den Geist der Freundschaft.
Tradition und Moderne verbinden, das ist die schönste Aufgabe der wir uns widmen wollen.
 
Wo man singt, da lass dich ruhig nieder,
böse Menschen kennen keine Lieder.
So oder ähnlich könnte damals das Motto gelautet haben, als im Jahr 1912 sich in unserem Heimatort Menschen zusammenfanden, um einer wunderschönen Freizeitbeschäftigung, dem Chorgesang, nachzugehen.
90 Jahre Männergesangverein und 20 Jahre gemischter Chor im „Liederkranz“ Gammelsbach. Unter diesen Vorzeichen hat das Geburtstagsfest, das wir feiern, seine Berechtigung.
 
Mit Stolz können wir heute den Gründern einen Dank zum Ausdruck bringen, die durch ihren Idealismus zum Gesang den Grundstein für einen bis heute lebensfähigen Verein legten, in dem Liedgut Eindrücke aus den verschiedensten Epochen und Arten vermittelt wird.
 
Denn auch in unserer heutigen schnelllebigen Zeit ist in einer Dorfgemein-schaft ein Gesangverein zur Mitgestaltung und Umrahmung von kulturellen Veranstaltungen immer noch gefragt.
Es war nicht immer leicht, die gesteckten Ziele wurden nicht immer erreicht.
Es gab Höhen und Tiefen wie in jedem Verein, auch schwierige Zeiten mussten bewältigt werden. So stand man 1982 vor einem schweren Problem, die Sängerzahl schrumpfte, so konnte es nicht weitergehen. Der damalige Chorleiter Herr Helfrich schlug vor, die Damen des Dorfes zum Singen einzuladen. Darauf entstand ein gemischter Chor, zusätzlich zu dem geschwächten Männerchor.
 
Deshalb feiern wir dieses Jahr nicht nur 90 Jahre „Liederkranz“, sondern auch 20 Jahre gemischter Chor im „Liederkranz“ Gammelsbach.
 
Bereits aus dem Jahre 1860 ist ein Gesangverein mit dem Namen „Liederkranz“ bekannt. Diesen Namen hat man in dem später gegründeten Verein mit übernommen. Vermutlich kam das Vereinsleben in den Kriegs-jahren 1870/71 zum Erliegen.
Aber bereits vor der damaligen Jahrhundertwende wurden unter der Leitung von Lehrer Daab Singstunden gegeben.
 
Im Jahr 1910 gründete der Schuhmacher Andreas Schäfer eine Musikkapelle.
Dieser Kapelle gehörten an:
Wilhelm Dewald            Peter Dörsam               Simon Walz                 
Georg Schwinn             Adam Uhrig                  Jakob Helm
Karl Mala                      Leonhard Ihrig               Wilhelm Schwinn
 
Mit dieser Kerntruppe gründete 1912 der Lehrer Heinrich Klein als Dirigent und unter dem Vorsitz von Lehrer Ludwig Schäfer den Männergesangverein „Liederkranz“ Gammelsbach.
Nach der Gründung verzeichnete der Verein die stolze Mitgliederzahl von 117. Davon etwa 25 aktive Sänger. Es wurde eine Vereinssatzung geschaffen, damals sagte man Statuten.
In diesen Statuten wurden Beitragssätze festgelegt. Nicht nur für passive - sondern auch für aktive Mitglieder. Der monatliche Beitrag war für Aktive auf 40 Pf und für Passive auf 50 Pf festgelegt. Veranstaltungen sollen durchgeführt werden und Spenden sind willkommen, um Notenmaterial, Dirigenten und Sonstiges zu finanzieren.
In den Jahren zuvor war es wohl üblich, dass die Schulkinder nach einer alten Tradition das sogenannte Leichsingen übernommen hatten, d.h. den Gesang bei einer Beerdigung eines Bürgers. Diese Aufgabe übernahm dann der neu gegründete Gesangverein.
Während des Ersten Weltkrieges kam das Vereinsleben zum Erliegen, denn viele junge Sänger kehrten von der Front nicht mehr zurück.
1918 wurde auf Grund dessen, von den Lehrern Ludwig Schäfer und Albrecht Jung, ein Volksbildungsverein gegründet. In diesen Verein wird auch eine Sängerabteilung mit einem gemischten Chor erwähnt.
Erst im Jahre 1922 wurde die Vereinstätigkeit des noch bestehenden Vereins von 1912 wieder aufgenommen. Lehrer Schäfer hatte als Vorsitzender wieder die Führung und Lehrer Jung fungierte als Dirigent.
Nach einer Schulversetzung von Lehrer Jung übernahm Lehrer Karl Lehr die Nachfolge.
In der damaligen Zeit waren die sportlichen Aktivitäten, besonders in ländlicher Region sehr gering, deshalb bildeten sich für das Gemein-schaftswesen die Gesangvereine.
In einer Koordination entwickelte sich ein Dachverband, mit dem Namen „Deutscher Sängerbund“ aufgeteilt, in Länder und Kreise. Geographisch liegt Gammelsbach im südlichsten Teil des Hessischen Sängerbundes, deshalb wurden wir dem Sängerkreis hessisches Neckartal zugeordnet. Seit dem Gründungsjahr 1925 ist der „Liederkranz“ Gammelsbach Mitglied in diesem Sängerkreis.
Im gleichen Jahr konnte der Verein mit großer Freude und Begeisterung seine Fahne weihen.
Im Jahr 1929 ist aus besonderen Gründen, die aber nicht näher genannt wurden, der Dirigent Karl Lehr zurückgetreten.
Lehrer Peter Gehron aus Rothenberg, der schon oftmals als Aushilfsdirigent einspringen mußte, wurde wiederum angefordert, bis Lehrer Weber aus Gammelsbach 1932 als Dirigent die Stelle übernahm. Für die stete und treue Aushilfe wurde der Chorleiter Peter Gehron 1932 zum Ehrendirigenten ernannt.
Neben dem „Liederkranz“ war auch noch ein zweiter Gesangverein mit dem Namen „Sängerlust“ zustande gekommen.
Am 3. Dezember 1932 fandeine außerordentliche Versammlung in der Gastwirtschaft bei Ludwig Bonin statt. In dieser Versammlung wurde einstimmig beschlossen, ein Schriftstück an den neuen Verein „Sängerlust“ zu richten, zwecks Vereinigung der beiden Vereine.
Am 12. Dez. 1932 wollte man eine Versammlung beider Vereine zustande bringen, was leider nicht gelungen ist.
Um es zu ermöglichen, stimmten die Mitglieder des „Liederkranzes“ darüber ab, ob eine Abänderung der Vereinsfahne stattfinden soll.
Es waren 27 Mitglieder dafür, dass die Fahne bleibt wie sie ist und
9 Mitglieder enthielten sich der Stimme.
Am 18 Juli 1933 bei der Jahreshauptversammlung im Gasthaus von Ludwig Bonin wurde verkündet, dass der Zusammenschluß mit dem Gesangverein „Sängerlust“ zustande gekommen ist.
 
Das Vereinsvermögen soll dem „Liederkranz“ zugeführt werden. Die Vereinsfahne des „Liederkranz“ soll eine Schleife erhalten mit der Aufschrift: Gesangverein „Sängerlust“ vereinigt 1933.
Nachdem der Chorleiter Weber den Dirigentenstab an den Dirigent Weyrauch übergeben hatte, dirigierte Weyrauch bis 1935.
Bei der Jahreshauptversammlung am 25.Jan.1936 kam man zu dem Entschluß, in die Führungsspitze noch einen 3. Vorsitzenden zu benennen. Als Chorleiter wurde Musiklehrer Friedrich aus Erbach nominiert.
Im Jahr 1939 übernahm Lehrer Otto Frisch als Dirigent die Gesangs-stunden. Durch die Kriegswirren des 2. Weltkrieges war der Verein laut Protokollbuch um 19 aktive Sänger durch den Fronteinsatz geschwächt.
Nach dem Tod von Lehrer Frisch ruhte der Gesangsunterricht. Die letzte Jahreshauptversammlung war am 15. März 1941 zu verzeichnen.
Nach Ende des 2. Weltkrieges fand die erste Jahreshauptver-sammlung am 1. Febr. 1947 statt. Frau Frisch erklärte sich bereit, den Dirigentenstab von ihrem verstorbenen Mann zu übernehmen. Der Gesangverein „Liederkranz“ zählte wieder 36 aktive und 29 passive Mitglieder.
Die Chorleiterin, Frau Frisch, dirigierte den Männerchor bis zu ihrem Wohnortwechsel 1964.
Anschließend übernahm Kantor Specht aus Beerfelden die Leitung.
 
Mitte Oktober 1969, unter dem Vorsitz von Wilhelm Rebscher, konnte der junge Lehrer Hans Helfrich aus Scharbach als Chorleiter gewonnen werden. In guter Zusammenarbeit hat er es verstanden den Männer-gesangverein „Liederkranz“ Gammelsbach auf ein beachtliches Leistungs-niveau zu steigern.
Laut Protokollbücher fungierten als 1. Vorsitzende von 1929 bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der Reihenfolge:
von 1929 bis 1947         Leonhard Rebscher
von 1947 bis 1963         Wilhelm Rug III.
von 1963 bis 1979         Wilhelm Rebscher
von 1979 bis 1991         Ernst Muth (wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt)
von 1991 bis 1997         Hans Münz
von 1997                       Ingrid Reinschild
 
Ein besonderer Höhepunkt war die Gründung des gemischten Chores im Frühjahr 1982.
Diese Idee hatte der Dirigent Helfrich, und sie wurde von der gesamten Einwohnerschaft des Dorfes mit großer Begeisterung aufgenommen.
So begann am 15. März 1982 die erste Singstunde mit 36 Frauen und 18 Männern.
 
Um den Übungsstunden gerecht zu werden, wurde Mitte der 80ziger Jahre ein neues Klavier angeschafft. Das löste das alte museumreife Stück ab, das 1956 gebraucht gekauft war. Vorher wurden die Gesangstunden mit Hilfe eines Harmoniums abgehalten.
 
Bereits zur 70 jährigen Jubiläumsfeier des Männergesangvereins im Oktober 1982 hatte der gemischte Chor mit Liedvorträgen zur Gestaltung des Festes beigetragen. In den Folgejahren wurden von beiden Chören beachtenswerte Preise erzielt.
Durch die Initiative des damaligen Chorleiters Hans Helfrich wurde dem „Liederkranz“ Gammelsbach und seinen übrigen Vereinen als Chorgemeinschaft die Möglichkeit geboten Konzertreisen zu unternehmen.
Im Oktober 1989 fand die erste Reise nach Ungarn statt. Mit geistlichen und weltlichen Chören bot sich die Gelegenheit in Kathedralen und auch im Dom von Budapest zu singen.
 
Es folgte eine weitere Reise zwei Jahre später in die CSFR. Dabei begegnete man dem Jugendkammerchor „Re Belcanto“ des Musikkonservatorium aus Pardubice unter der Leitung von Prof. Miroslav Reichl. Diese 21 tschechischen Sängerinnen und Sänger, darunter drei Professoren sind professionelle Künstler, die auf Opern und Konzertbühnen berühmt sind. Durch einen Gegenbesuch von „Re Belcanto“ im Odenwald entstand eine freundschaftliche Verbindung.
1992 hatten beide Chöre, der Männergesangverein und der gemischte Chor, die Möglichkeit, in Gemeinschaft mit den anderen Chören aus unserem Stadtgebiet, Kasettenaufnahmen zu machen. Allein aus unserem Verein wurden über 100 Tonträger verkauft.Das zeigt, dass Chorgesang bei vielen Menschen Anklang findet.
 
1996 war dann der Männerchor zusammen mit Falken-Gesäß und den Männern von Ober-Ostern auf großer Reise nach Moskau und St. Peters-burg. Die Schlagzeilen dieser Reise werden den Teilnehmern unvergessen bleiben.
Ein ganz besonderes Ereignis wurde 1997 den gemischten Chören Gammelsbach, Scharbach und Hartenrodt geboten. Diesmal ging die Reise nach Rom. Im Petersdom zu singen war ein herausragendes Erlebnis, wie auch an der Papst Audienz im Vatikan teilzunehmen.
 
Bei der Jahreshauptversammlung am 1. März 1998 kündigte Hans Helfrich, nach 29 Jahren Dirigententätigkeit, zum nächstmöglichen Termin.
 
Bereits im Sommer 1998 konnte die Vorstandschaft aufatmen. Direkt in unserer Dorfmitte befand sich die Zukunft für unseren Verein. Ein musikalisches Talent, das es versteht, einfühlsam und mit großer Sorgfalt den Taktstock zu schwingen. Es war der 1. Vorsitzenden gelungen,
Herrn Ronald J. Autenrieth als Chorleiter zu gewinnen.
Seine menschliche Ausstrahlung übertrug sich gleich auf die aktiven Vereinsmitglieder, somit entstand eine Harmonie, nicht nur im musikalischen Bereich. Die von ihm getroffene Liedauswahl findet im Chor immer große Resonanz.
 
Die Schließung der Abteilung Männerchor konnte im Jahr 2000 nicht länger vermieden werden. Bei der Jahreshauptversammlung wurde durch Abstimmung der aktiv singenden Männer die Auflösung beschlossen.
Der gemischte Chor führt nun alleine die Geschicke des „Liederkranz“ Gammelsbach fort.
Im gleichen Jahr begann der Chorleiter Herr Autenrieth Projektwochen anzubieten. Diese sind offen für alle Interessierten, weiblich und männlich, geprobt wird über einen gewissen Zeitraum und auf eine Veranstaltung hin, ohne dass eine feste Vereinsbindung Bedingung ist. Begonnen wurde mit einem Gospelprojekt, gefolgt von einem reinen Männerprojekt und einem Swingprojekt. Das Interesse an dieser Art Chormusik ist bemerkenswert und der „Liederkranz“ kann damit für Aufsehen in der Gemeinde und Umgebung sorgen.
Denn nur mit einem gewissen Bekanntheitsgrad und interessanten Schlagzeilen kann das Interesse am Chor geweckt werden und neue Stimmen in den bestehenden gemischten Chor geworben werden. Dies hat der Chorleiter Ronald Autenrieth schnell erkannt und die Chorarbeit in diese Bahnen geleitet. Konzertante Liederabende und Sonntagnachmittag-Programme begeistern seitdem das heimatliche Publikum.
Im Jubiläumsjahr 2002 verzeichnet der Verein 54 aktive Mitglieder und 48 passive.
 
Dirigent, Vorsitzende und Vorstandschaft gestalten in vorzüglicher Weise das Vereinsgeschehen. Dafür darf dem Chorleiter Ronald J. Autenrieth, der Vorsitzenden Ingrid Reinschild und der gesamten Vorstandschaft Dank ausgesprochen werden für ihre gute Teamarbeit.
 
Zum Abschluß noch eine Ergänzung zu den einleitenden Worten:
Der Gesang ist erhebend,
der Gesang ist belebend,
wer singt ist ein Mensch mit frohem Mut.
Darum nütze die Zeit,
sei zum Singen bereit
und singe, dann schätzt Du dieses hohe Gut.
 
90 Jahre Vereinsgeschichte und Geschehen, des „Liederkranz“ Gammelsbach.
Verfasser: Wilhelm Schwinn
 
 
90 Jahre „Liederkranz“ Gammelsbach und 20 Jahre Gemischter Chor wurde gefeiert mit folgenden Veranstaltungen:
 
 
Bunter Kaffemachmittag mit Kommerz
Sonntag, 09. Juni 2002 ab 14:00 Uhr
in Gammelsbach im Turnerheim des TV Gammelsbach
Mitwirkende und Gäste:
Männergesangverein Grafengehaig
„Notabene“ Eberbach
Grundschule Gammelsbach
Freiwillige Feuerwehr Gammelsbach
Verkehrsverein Gammelsbach
Sportverein Gammelsbach
Blaskapelle TV Gammelsbach
Show Tanzgruppe Tanzschule Hinkelbein
„Liederkranz“ Gammelsbach gemischter Chor und Swing Projekt
 
Freundschaftsingen mit Gastchören
Freitag, 21. Juni 2002 ab 19:30 Uhr
Samstag, 22. Juni 2002 ab 19:30 Uhr
in Beerfelden in der Neuen „Alten Turnhalle“
 
 
 
 

 

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